80 Jahre Anschluss – Niemals vergessen: Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!

Heute, am 12. März, jährt sich zum 80. Mal der Tag, an dem Österreich aufhörte zu existieren, und als Ostmark Teil des Deutschen Reichs unter Adolf Hitler wurde.

Am 11. März 1938 hielt Kanzler Kurt Schuschnigg unter dem immensen Druck der Nazis seine Abschiedsrede und schloss mit den Worten: „Gott schütze Österreich“.

In den Morgenstunden des 12. März überschritten deutsche Divisionen die Grenze. Bereits am 13. März wird der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich offiziell beschlossen. Der Nationalsozialist Arthur Seyß-Inquart wird zunächst Bundeskanzler, dann Reichsstatthalter. Der Aufbau des nationalsozialistischen Terror-Regimes hatte begonnen.

Im von Anton Schimon verfassten „Historischen Nachtrag“ zum Heimatbuch von Eberhard Molfentner werden die Ereignisse in Fischamend wie folgt beschrieben:

Während sich 1938 Bundeskanzler Dr. Schuschnigg zur Kapitulation vor dem faschistischen Deutschland anschickte, versammelten sich in Fischamend Sozialisten, Kommunisten und Katholiken zu einer mächtigen Demonstration unter der Losung „Freiheit für Österreich“. Das Rathaus, wo gerade eine Gemeinderatssitzung stattfand, wurde besetzt und der Obmann der kleinen illegalen KPÖ, HOUSKA Josef, verkündete vom Balkon des Rathauses ein flammendes Bekenntnis zu Österreich und eine scharfe Kampfansage an den Faschismus.

Anschließend wurde eine Gegendemonstration, die durch die Nazis der umliegenden Ortschaften verstärkt war, in die Flucht geschlagen. Erst als der Einmarsch der Hitlertruppen durch das Radio bekanntgegeben wurde, löste sich diese gewaltige Kundgebung auf. Erbittert zogen die Fischamender Arbeiter nach Hause, dem Februar 1934 war der März 1938 gefolgt.

Die schwärzeste Zeit in der Geschichte Österreichs und auch unserer Gemeinde war angebrochen. Schon am folgenden Tag wurden führende Männer der vaterländischen Front und Heimwehr sowie bekannte ehemalige sozialdemokratische und kommunistische Funktionäre von der Gendarmerie auf das Gemeindeamt geholt, um in ein Konzentrationslager abtransportiert zu werden.

Ernst Braune, der provisorische Gemeindeverwalter und Ortsgruppenleiter der NSDAP, setzte sich gegen den Widerstand der örtlichen SA dafür ein, dass niemand in das Konzentrationslager abtransportiert wurde. In Fischamend wurde bei der Machtübernahme niemand verhaftet. Allerdings holte sich die SA ehemalige Heimwehrleute, die im heutigen Gemeindehaus Wienerstraße Nummer 4 eingesperrt und misshandelt wurden.

Dann kam auch für Fischamend die Kristallnacht. Die Kaufhäuser Stern und Tillinger wurden geplündert. Das dritte jüdische Kaufhaus blieb verschont, weil eine Angestellte „zufällig“ Mitglied der NSDAP war und dann das Geschäft weiterführte. Der allseits geschätzte Gemeindearzt Dr. Winter musste, weil Jude, trotz seiner Beliebtheit in die Emigration.

Dem Einmarsch der Deutschen Truppen liefen die Terrorgerüchte der SS und SA voraus. Nur so ist die Angst der Bevölkerung – die zwei Tage vorher in einer mächtigen Kundgebung mutig für die Freiheit Österreichs demonstrierte – zu verstehen, wenn in den ersten Tagen der Besetzung hunderte Beitrittserklärungen für die NSDAP abgegeben wurden. Dieser Fakt wird durch 127 in der Ortskartei der NSDAP ausgewiesene Beitritte 1938 bestätigt. Mit den illegalen 41 Mitgliedern, von denen 16 als „Alte Kämpfer“ anerkannt wurden, erhöhte sich der Mitgliederstand der Ortsgruppe Fischamend-Kleinneusiedl bis 1944 auf 310 karteimäßig erfasste Mitglieder, wobei 76 auf Kleinneusiedl entfielen.

Angst vor Repressalien beherrschte wahrscheinlich auch die Bevölkerung bei der durchgeführten Abstimmung für den Anschluss an „Großdeutschland“, der durch ein fast hundertprozentiges Ja zum Ausdruck kam. Nur 4 Neinstimmen sollen abgegeben worden sein. Aber wer konnte dies damals kontrollieren?

Die Deutschen Truppen requirierten zu ihrer Versorgung alles, was benötigt wurde. Dafür kam später der Bayrische Hilfszug und versorgte die Einwohner mit Eintopfgericht. (Ausgabestelle war am Getreideplatz.) Kinder, NSDAP-Mitglieder und Neugierige waren Teilnehmer dieser Ausspeisung. Der Großteil der Bevölkerung aber verzichtete auf diese Bewirtung.

Bemerkenswert ist, dass alle Privatflugzeuge aus Österreich eingezogen und auf das alte Flugfeld in Fischamend dirigiert wurden. Diese Flugzeuge waren einige Zeit in den Montagehallen des alten Flugzeugwerkes aus dem Ersten Weltkrieg eingestellt.

Nach einigen Monaten erfolgte die Eingemeindung von Markt- und Dorf-Fischamend in die Großgemeinde Wien. Diese Tatsache ist festzuhalten, ist historisch wichtig, weil mit ihr die Selbständigkeit beider Gemeinden ausgelöscht wurde.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges mussten die im sogenannten Industriewerk etablierten Betriebe: „Swoboda, Pollitzer, Florenz, Wüster und Kary“ 1940 im Interesse der Rüstung dem Zweigwerk der Wiener Neustädter Flugzeugwerke (WNF) Werk II weichen. Dieses Werk beschäftigte ca. 5.500 Arbeiter, davon 2.000 Dienstverpflichtete sowie 3.500 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene.

Die Arbeiter-Sportvereinigung, von allen alten Funktionären gesäubert, wurde mit dem Ausbau der WNF zu einem Werksverein umfunktioniert.

Politische Verhaftungen und Verurteilungen beim sogenannten „Volksgericht“ gab es wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ gegen die beschuldigten Kommunisten SCHWIEGER Josef, KOPRAX Franz, LINSMAYR Karl und SCHIMON Anton. Wegen staatsfeindlichen Äußerungen kamen ins Konzentrationslager die Mitglieder der KPÖ MADEGKA Ferdinand, WEICHSELDORFER Heinrich, KARLIK Aloisia und SCHACHTINGER Eveline sowie von der Heimwehr HURKA Alfred.

Obwohl die Luftangriffe auf das Rüstungswerk, das mitten im Ortsbereich lag, zu erwarten waren, gab es keinen Luftschutzstollen für die Ortsbevölkerung nur ein Werkstollen war im Bau. Splittergräben waren der einzige „Zivilschutz“.

Die Missachtung des menschlichen Lebens durch die Machthaber der Naziära wird durch die über hundert Ziviltoten, zum Großteil Frauen und Kinder, beim Luftangriff am 12.4.1944 erschreckend dokumentiert. Erst nach diesem schrecklichen Opfergang der Einwohner wurden in Dorf- und Markt-Fischamend Luftschutzstollen gegraben.

Nach der Liste IV/7 der Kreisleitung Wienerberg des deutschen Volkssturms wurden Ende 1944 in Fischamend 512 Mann gemustert und in Aufgebote eingeteilt. 481 wurden für volltauglich befunden, 16 tauglich ohne Waffe und nur 15 waren untauglich. Letztere waren Schwerinvalide. Die politische Verlässlichkeit jedes einzelnen wurde registriert. Viele kamen noch zum Einsatz eines schon verlorenen Krieges. Sie wurden einem verbrecherischen Vernichtungswillen geopfert.

Die politische Leitung der NSDAP in Fischamend bestand laut Stellenplan vom September 1943, alle namentlich angeführt, aus:

Stab 19 Mann, Zellenwarte 6 + 3 Vertreter, Blockwarte 25 + 13 Kleinneusiedl, Frauenschaft 8, NSV 15, DAF 12, SA 2, KdF 2 somit aus 105 Mitgliedern.

Die meisten dieser Einpeitscher setzten sich 1945 nach dem Westen ab, der Bevölkerung Chaos hinterlassend.“

Am 8. Mai 1945 fand  das sogenannte „tausendjährige Reich“ sein Ende. Als Österreich von den Alliierten Armeen vom Faschismus befreit wurde, hatte der industrielle Massenmord und der barbarische Krieg der Nazis Millionen Menschenleben gefordert und die Welt in Schutt und Asche hinterlassen.

Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus! Das waren die Lehren, die daraus gezogen wurden. Am 10. Dezember 1948 wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verkündet. Am 26. Oktober 1955 ratifizierte Österreich das Verfassungsgesetz über die immerwährende Neutralität.

80 Jahre nach dem sogenannten „Anschluss“ gilt es, die Lehren aus den Jahren der Hölle nicht zu vergessen. Frieden, Demokratie und soziale Gerechtigkeit müssen wir jeden Tag aufs Neue verteidigen.